Nordroute durch die Niederlande: Groningen, Wattenmeer und Dollart

Blick über das Lauwersmeer bei Lauwersoog Lauwersmeer bei Lauwersoog. Foto: Gouwenaar, CC0 1.0, via Wikimedia Commons.

Die Nordroute durch die Niederlande ist keine einzelne, fest ausgeschilderte Fernstrecke. Sie steht für eine abwechslungsreiche Reise durch den Norden zwischen Groningen, Reitdiep, Lauwersmeer, Wattenmeerküste, Hogeland und Eems-Dollard. Je nach Zeit und Verkehrsmittel lässt sich daraus eine Radreise mit mehreren Tagesetappen, eine Kombination aus kurzen Wanderungen oder ein Urlaub mit festen Standorten zusammenstellen.

Was gehört zur Nordroute?

Der Begriff Nordroute beschreibt vor allem eine Reiserichtung und kein einheitliches Routenprodukt. Im Westen reicht das Gebiet bis zum Lauwersmeer an der Grenze zwischen Groningen und Friesland. Im Osten führen die Wege über das Groninger Land, die Emsmündung und den Dollart bis in den Grenzraum bei Bad Nieuweschans. Dazwischen liegen die Stadt Groningen, historische Dörfer auf Warften, Häfen, Deiche, Polder und weite Vogelgebiete.

Für längere Fahrradtouren ist die Nordseeküstenroute ein übergeordneter Rahmen. Die vollständige niederländische LF Kustroute ist etwa 610 Kilometer lang; für eine Reise im Norden sind jedoch vor allem die regionalen Abschnitte interessant. Wer lieber in überschaubaren Schleifen fährt, findet mit den regionalen LF-Wochenendtouren Eems-Dollard mit etwa 113 Kilometern und Groninger Wadden mit etwa 123 Kilometern gut planbare Alternativen.

Die Nordroute eignet sich deshalb für unterschiedliche Reisearten: sportliche Radfahrer verbinden mehrere Orte, Familien bleiben an einem See oder in Hafennähe, und Wanderer wählen einzelne Deich-, Ufer- und Naturwege. Eine starre Gesamtkilometerzahl wäre für diese Reiseidee irreführend.

Groningen: der praktische Startpunkt

Groningen ist der naheliegende Ausgangspunkt, wenn die Nordroute mit Bahn und Fahrrad beginnen soll. Die Stadt bietet einen großen Bahnhof, Gastronomie, Museen und kurze Wege in die Innenstadt. Ein Stadttag am Anfang oder Ende entlastet die Reiseplanung, wenn das Wetter an der Küste unbeständig ist. Gleichzeitig beginnt nördlich der Stadt schnell die offene Landschaft mit Kanälen, Wiesen und Warftendörfern.

Entlang des Reitdiep nach Norden

Das Reitdiep verbindet Groningen mit dem Lauwersmeer und gehört zu den schönsten Wasserachsen der Provinz. Eine rund 60 Kilometer lange Fahrradrunde führt durch das Reitdiepgebiet und lässt sich je nach Tagesform verkürzen oder erweitern. Unterwegs liegen unter anderem Garnwerd, Aduarderzijl, Electra und Zoutkamp. Sluizen, alte Kirchen, kleine Häfen und die weite Landschaft des Hogeland sorgen für Abwechslung.

Für eine entspannte Etappe sollte nicht nur die Entfernung zählen. Pausen an einem Hafen, ein Abstecher in ein Dorf oder eine Besichtigung können aus einer reinen Durchfahrt einen ganzen Reisetag machen. Wer in Groningen startet, kann zunächst bis Garnwerd oder Zoutkamp fahren und die Strecke am nächsten Tag Richtung Lauwersmeer fortsetzen.

Lauwersmeer: Natur, Wasser und Vogelbeobachtung

Das Lauwersmeer liegt auf der ehemaligen Meeresbucht zwischen Groningen und Friesland. Heute prägen Wasserflächen, Schilf, Inseln, Grasland und Wald das Gebiet. Das Nationalparkgebiet ist besonders für Vogelbeobachter interessant: Im Frühjahr und Herbst machen Zugvögel Rast, während Gänse und andere Wasservögel die Landschaft im Winter beleben. Das Gebiet ist außerdem als Dark-Sky-Park bekannt und eignet sich bei klarer Witterung für die Beobachtung des Nachthimmels.

Die bekannteste kurze Radrunde ist das etwa 43 Kilometer lange Rondje Lauwersmeer. Sie führt durch das Naturgebiet, nach Lauwersoog und an die wasserreiche Umgebung von Oostmahorn. Zoutkamp, Dokkumer Nieuwe Zijlen und mehrere Aussichtspunkte bieten sich als Zwischenziele an. Die Runde kann an verschiedenen touristischen Einstiegspunkten begonnen und mit kürzeren Spaziergängen ergänzt werden.

Lauwersoog ist der richtige Ort für einen Abstecher ans Wasser und für Ausflüge in das Wattenmeer. Am Lauwersmeer selbst geht es dagegen um Binnenwasser, Schilfränder, Wälder und offene Wiesen. Diese Unterscheidung hilft bei der Planung: Wer vor allem Vögel und Landschaft sucht, bleibt länger im Nationalpark; wer Hafenatmosphäre und Meer erleben möchte, plant Lauwersoog und die Küste zusätzlich ein.

Hogeland und die Groninger Wattenküste

Nördlich von Groningen liegt das Hogeland mit seinen offenen Feldern, alten Warften und kleinen Dörfern. Warften sind künstlich aufgeschüttete Siedlungshügel, die früher Schutz vor den hohen Wasserständen boten. Heute prägen sie das Landschaftsbild und machen Radtouren zwischen den Küstenabschnitten besonders abwechslungsreich.

Zu den lohnenden Zwischenzielen gehören das historische Warftendorf Warffum, Pieterburen, Usquert und Noordpolderzijl. In Warffum vermittelt ein Freilichtmuseum den Alltag der früheren Dorfbevölkerung. Pieterburen ist ein bekannter Ausgangspunkt für Natur- und Wattenmeerangebote. Noordpolderzijl besitzt einen kleinen Hafen und liegt an einem besonders offenen Küstenabschnitt. Bei Gegenwind fühlen sich die Entfernungen auf dem Deich deutlich länger an als auf der Karte.

Die Wattenküste gehört zur grenzüberschreitenden Landschaft des UNESCO-Welterbes Wattenmeer. Das Watt verändert sich durch Ebbe und Flut ständig. Wattwanderungen sollten nur mit einer zugelassenen Führung unternommen werden; für selbstständige Touren bleiben Deichwege, Aussichtspunkte und markierte Uferwege die sichere Wahl. Eine Wanderung auf dem Deich lässt sich gut mit einer kurzen Radtour zwischen zwei Dörfern verbinden.

Eems-Dollard und der östliche Abschnitt

Im Osten wird die Nordroute durch die Emsmündung und den Dollart geprägt. Die Landschaft wirkt weiter und maritimer als rund um Groningen: Deiche, Salzwiesen, Polder, Schleusen und große Himmel bestimmen den Eindruck. Gleichzeitig liegen in der Region historische Städte und Orte, die sich als Etappenstopps eignen.

Die regionale LF-Wochenendschleife Eems-Dollard ist etwa 113 Kilometer lang. Sie verbindet unter anderem Appingedam, Delfzijl, Termunterzijl, das Dollartgebiet, Nieuwe Statenzijl, Bad Nieuweschans und Winschoten. Appingedam ist für seine historischen hängenden Küchen bekannt, Delfzijl und Termunterzijl bieten Hafen- und Deichlandschaft. Bei Nieuwe Statenzijl liegt die Kiekkaaste, ein Aussichtspunkt für den Blick in das Dollartvorland.

Für eine mehrtägige Reise kann die Dollard-Route als eigener Schwerpunkt ergänzt werden. Sie führt durch einen größeren deutsch-niederländischen Raum und ist nicht mit einer einzelnen Tagesetappe der Nordroute gleichzusetzen. Wer weniger radeln möchte, wählt nur den Abschnitt zwischen Delfzijl, Termunterzijl und dem Dollart oder verbindet einen Ortstag in Appingedam mit einem kurzen Deichspaziergang.

Konkrete Routenbausteine für die Planung

  • Rondje Lauwersmeer: etwa 43 Kilometer, ideal als Natur- und Vogelbeobachtungstag rund um den See.
  • Reitdiep-Runde: rund 60 Kilometer, flexibel zwischen Groningen, Garnwerd, Aduarderzijl, Electra und Zoutkamp.
  • Groninger Wadden: etwa 123 Kilometer als mehrtägige Schleife durch Lauwersmeer, Hogeland und Wattenküste.
  • Eems-Dollard: etwa 113 Kilometer zwischen Appingedam, Delfzijl, Dollart, Bad Nieuweschans und Winschoten.
  • LF Kustroute: übergeordnete Küstenverbindung; für eine komplette Befahrung deutlich länger als ein Nordurlaub.

Die Kilometerangaben dienen der Orientierung und gehören zu unterschiedlichen Routenangeboten. Sie dürfen nicht addiert werden, weil sich einzelne Abschnitte überschneiden. Vor dem Start sollten die aktuelle Beschilderung, GPX-Daten, Baustellen und mögliche Änderungen am Knotenpunktnetz geprüft werden.

Beispiel für eine vier- bis fünftägige Nordroute

Tag 1 – Groningen und Reitdiep: Die Reise beginnt mit einem Stadtrundgang. Am Nachmittag führt eine kurze Radtour in Richtung Garnwerd oder in das Reitdiepgebiet.

Tag 2 – Reitdiep und Lauwersmeer: Über Aduarderzijl und Zoutkamp geht es nach Lauwersoog oder zu einem festen Standort am Lauwersmeer. Wer früh startet, kann noch einen Aussichtspunkt oder eine kurze Naturwanderung einplanen.

Tag 3 – Runde um das Lauwersmeer: Das Rondje Lauwersmeer bietet eine eigenständige Tagesetappe. Alternativ bleibt mehr Zeit für Vogelbeobachtung, Hafen, Museum oder einen kürzeren Spaziergang.

Tag 4 – Hogeland: Warffum, Pieterburen, Usquert oder Noordpolderzijl bilden eine abwechslungsreiche Küstenetappe. Die Strecke sollte bei starkem Wind kürzer geplant werden.

Tag 5 – Dollart: Über Delfzijl, Termunterzijl oder Appingedam führt die Weiterreise in den Eems-Dollard. Wer nur vier Tage hat, kann den Dollart als Schwerpunkt wählen und den Hogeland-Tag verkürzen.

Radreise, Wandern und Anreise ohne Auto

Das Fahrrad ist für die Nordroute das vielseitigste Verkehrsmittel. Die Entfernungen zwischen den Dörfern sind für Tagesetappen geeignet, gleichzeitig lassen sich die Knotenpunkte flexibel kombinieren. Für längere Strecken ist eine GPX-Datei sinnvoll, weil Deichwege, Sperrungen und Baustellen die direkte Verbindung gelegentlich verändern.

Die Bahn ist vor allem für den Start und die Rückreise über Groningen praktisch. In den kleinen Küstenorten gibt es nicht an jedem Ziel einen Bahnhof. Deshalb sollten Unterkünfte, Busverbindungen und die Rückfahrt vor einer Streckenetappe geprüft werden. Wer das Fahrrad im Zug mitnehmen möchte, braucht je nach Verbindung eine passende Fahrradkarte und muss die zulässigen Zeiten beachten.

Zum Wandern eignet sich die Nordroute als Sammlung einzelner Naturtage: kurze Wege im Lauwersmeer, Deichabschnitte am Hogeland, Ortsrundgänge in Groningen und Appingedam sowie Spaziergänge an der Dollartküste. Für eine durchgehende Wanderung über die gesamte Region sind die Entfernungen und die offene Wetterlage deutlich anspruchsvoller.

Beste Reisezeit und Ausrüstung

Von April bis Oktober sind Radreisen und Wanderungen am einfachsten zu kombinieren. Im Frühjahr und Herbst ist die Vogelbeobachtung besonders interessant. Der Sommer bietet lange Tage, kann auf den offenen Deichen aber auch sonnig und windig zugleich sein. Nach Regen werden einzelne Feld- und Graswege weich.

In den Rucksack gehören wind- und wasserdichte Kleidung, eine zusätzliche warme Schicht, Sonnen- und Mückenschutz, Trinkwasser, eine offline verfügbare Karte und ein geladenes Mobiltelefon. Radfahrer sollten Licht, Ersatzschlauch, Pumpe und ein kleines Reparaturset mitnehmen. Für Naturbeobachtungen lohnen sich Fernglas und eine leise, gedeckte Kleidung. Vor einer Watt- oder Schiffsaktivität gehören Tide, Abfahrtszeit und Wetterwarnungen auf die Prüfungsliste.

Häufige Fragen

Gibt es eine festgelegte Nordroute durch die Niederlande?

Nein. Nordroute ist eine Bezeichnung für eine Reise durch den nördlichen Landesteil. Die konkrete Strecke kann über Groningen, Reitdiep, Lauwersmeer, Hogeland, Wattenküste oder Dollart führen.

Wie viele Kilometer hat die Nordroute?

Eine feste Gesamtlänge gibt es nicht. Als einzelne Bausteine bieten sich unter anderem das Rondje Lauwersmeer mit etwa 43 Kilometern, die Reitdiep-Runde mit rund 60 Kilometern sowie die regionalen Schleifen Eems-Dollard und Groninger Wadden mit etwa 113 beziehungsweise 123 Kilometern an.

Wo beginnt die Nordroute am besten?

Groningen ist wegen des Bahnhofs, der Infrastruktur und der kurzen Wege in das Reitdiepgebiet ein guter Startpunkt. Für eine reine Lauwersmeer-Runde eignen sich auch Zoutkamp, Lauwersoog oder Dokkumer Nieuwe Zijlen als Einstieg.

Kann man die Nordroute wandern?

Ja, aber als Folge einzelner Wanderungen. Besonders geeignet sind Naturwege am Lauwersmeer, Deichabschnitte, Ortsrundgänge und kurze Wege an der Dollartküste. Für die Verbindung der größeren Entfernungen ist das Fahrrad praktischer.

Ist die Nordroute für Familien geeignet?

Ja, wenn kurze Etappen und feste Übernachtungsorte gewählt werden. Lauwersmeer, Häfen, Aussichtspunkte und Groningen bieten Abwechslung. Offene Deiche sollten bei starkem Wind oder mit kleinen Kindern nicht zu lang geplant werden.

Was muss man an der Wattenküste beachten?

Wetter und Tide können den Tagesablauf beeinflussen. Wattwanderungen gehören in die Hände erfahrener Führungen. Für Rad- und Wandertouren auf Deichen, an Häfen und zu Aussichtspunkten sollten aktuelle Sperrungen, Windrichtung und Rückfahrt berücksichtigt werden.

Foto: Gouwenaar

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