Nordroute durch die Niederlande: Groningen, Wattenmeer und Dollart
Die Nordroute durch die Niederlande ist keine einzelne, fest ausgeschilderte Fernstrecke. Sie steht für eine Reise durch den Norden zwischen Groningen, Reitdiep, Lauwersmeer, Wattenmeerküste, Hogeland und Eems-Dollard. Daraus lassen sich eine Radreise mit mehreren Tagesetappen, einzelne Wanderungen oder ein Urlaub mit festen Standorten zusammenstellen.
Was gehört zur Nordroute?
Der Begriff Nordroute beschreibt eine Reiserichtung und kein einheitliches Routenprodukt. Im Westen liegt das Lauwersmeer an der Grenze zwischen Groningen und Friesland. Im Osten prägen Emsmündung und Dollart den Grenzraum bei Bad Nieuweschans. Dazwischen liegen die Stadt Groningen, historische Dörfer auf Warften, Häfen, Deiche, Polder und Vogelgebiete.
Für längere Fahrradtouren bietet die Nordseeküstenroute eine durchgehende Küstenverbindung. Die LF Kustroute verläuft über 610 Kilometer entlang der niederländischen Küste, davon etwa 90 Kilometer durch Groningen. Im Groninger Abschnitt verbindet sie Lauwersmeer und Dollart und führt überwiegend über oder an der Seedeichlinie entlang. Das Routebureau Groningen hat außerdem zwei kürzere Wochenendtouren angelegt: eine durch das Wattengebiet, die andere durch die Natur am Eems-Dollard. Diese Schleifen kombinieren Teilstücke der LF Kustroute mit dem Knotenpunktnetz.
Wer lieber kürzere Abschnitte fährt, kann einzelne Orte und Naturgebiete als Tagesziele wählen. So bleibt die Reise zwischen Stadt, Binnenwasser und Küste abwechslungsreich. Die Radtouren in den Niederlanden verbinden gleichermaßen Küsten- und Binnenlandstrecken.
Groningen: der praktische Startpunkt
Groningen ist ein guter Ausgangspunkt für eine Nordreise mit Bahn und Fahrrad. Die Stadt hat einen großen Bahnhof, Museen, Gastronomie und kurze Wege in die Innenstadt. Nördlich davon beginnt die offene Landschaft mit Kanälen, Wiesen und Warftendörfern. Ein Stadttag lässt sich deshalb gut mit Radtagen im Umland verbinden.
Die Runde am Reitdiep
Die offizielle Route „Langs het Reitdiep“ ist ein Rundweg von 58,7 Kilometern mit Start und Ziel in Aduard. Zu den benannten Stationen gehören die Kirche von Oostum, das Warftendorf Garnwerd, Houwerzijl, Zoutkamp, Oldehove, Saaksum, Ezinge, Allersmaborg und der Schleusenkomplex Aduarderzijl. Unterwegs wechseln sich Kirchen und Warftendörfer mit dem Reitdiep und weiten Blicken über das alte Siedlungsland ab. Die Route lässt sich laut Routenbeschreibung verkürzen oder verlängern.
Wer lieber in Etappen fährt, kann diese Gegend auch ohne den vollständigen Rundkurs erkunden: Garnwerd und Zoutkamp bieten sich als Zwischenziele am Wasser an. Der Reitdiep war einst die Verbindung der Stadt Groningen zum Meer; zwischen Groningen und Garnwerd verläuft er begradigt, weiter nördlich folgt das Gewässer wieder einem gewundenen Lauf durch das Groninger Land.
Lauwersmeer: Natur, Wasser und Vogelbeobachtung
Das Lauwersmeer liegt auf der ehemaligen Lauwerszee zwischen Groningen und Friesland. Nach der Abdämmung 1969 entwickelte sich das Gebiet zu einer Landschaft aus Süßwasser, Schilf, Inseln, Grasland und Wald. Die Route führt durch das Nationalparkgebiet und bietet Möglichkeiten für Vogelbeobachtung, kurze Spaziergänge und Ausblicke von den Deichen.
Das Rondje Lauwersmeer ist eine 43 Kilometer lange Rad- und Wanderroute. Die Fahrradvariante startet und endet im Fischerdorf Zoutkamp und folgt dem ausgeschilderten Knotenpunktnetz. Unterwegs liegen Naturgebiete, der Seedeich und der Hafen von Lauwersoog. Zoutkamp hat eine Fischereigeschichte und einen Hafen; Lauwersoog verbindet am Rand des Sees das Lauwersmeer mit dem Seedeich und dem Wattenmeer.
Im Nationalpark führen weitere Wege am Wasser entlang und über die Seedeiche. Das Radwegenetz umfasst unter anderem den Wald Ballastplaatbos, Kollumerwaard und den Radweg über die Ezumakeeg. Wer vor allem die stille Landschaft sucht, kann einen Fahrradausflug mit kurzen Wegen zu Aussichtspunkten kombinieren.
Hogeland und die Groninger Wattenküste
Nördlich von Groningen liegt das Hogeland mit offenen Feldern, alten Warften und kleinen Dörfern. Warften sind künstlich aufgeschüttete Siedlungshügel, die früher Schutz vor hohen Wasserständen boten. Heute prägen sie das Landschaftsbild. Warffum, Pieterburen, Usquert und Noordpolderzijl sind mögliche Ziele für eine Tour durch diesen Landstrich. In Warffum erinnert ein Freilichtmuseum an das frühere Dorfleben; Pieterburen und die Küstenorte bieten Zugänge zu Natur- und Wattenmeerangeboten.
Die Wattenküste gehört zur grenzüberschreitenden Landschaft des UNESCO-Welterbes Wattenmeer. Ebbe und Flut verändern das Watt fortlaufend. Für eine Wattwanderung ist eine zugelassene Führung erforderlich; für einen selbstständigen Ausflug eignen sich Deichwege, Aussichtspunkte und markierte Uferwege. Eine kurze Wanderung auf dem Deich lässt sich mit einer Radtour zwischen zwei Dörfern verbinden.
Eems-Dollard und der östliche Abschnitt
Im Osten prägen Emsmündung und Dollart die Landschaft: Deiche, Salzwiesen, Polder, Schleusen und weite Horizonte. Der Name Eems-Dollard bezeichnet das besondere Grenzgebiet, in dem Süß- und Salzwasser zusammentreffen. Appingedam, Delfzijl, Termunterzijl und Nieuwe Statenzijl sind sinnvolle Ziele für einen Ausflug. Appingedam ist für seine hängenden Küchen bekannt; in Termunterzijl liegt die historische Schleuse Boog van Ziel. Bei Nieuwe Statenzijl bietet die Kiekkaaste einen Blick auf die Dollartflächen.
Die durchgehende Dollard-Route führt als eigener Radfernweg durch einen größeren deutsch-niederländischen Raum und ist nicht mit einer einzelnen Tagesrunde gleichzusetzen. Für einen kürzeren Aufenthalt lassen sich Appingedam und Delfzijl als Stadtziele mit einem Deichspaziergang oder einem Besuch am Dollart verbinden.
Routenbausteine für eine Reise
- Reitdiep: die offizielle Aduard-Runde verbindet Wasserwege, Kirchen und Warftendörfer wie Garnwerd, Zoutkamp und Ezinge.
- Lauwersmeer: das Rondje Lauwersmeer führt ab Zoutkamp durch das Nationalparkgebiet; Wege am Wasser und auf den Deichen bilden weitere kürzere Möglichkeiten.
- Wattengebiet: eine der beiden regionalen LF-Wochenendtouren verbindet den Küstenfernweg mit dem Knotenpunktnetz.
- Eems-Dollard: die zweite LF-Wochenendtour erschließt die Natur am Dollart; einzelne Stopps liegen bei Termunterzijl und Nieuwe Statenzijl.
- LF Kustroute: die Fernroute folgt der niederländischen Küste; in Groningen verbindet sie Lauwersmeer und Dollart.
Beispiel für vier bis fünf Tage im Norden
Tag 1 – Groningen: Beginnen Sie in der Innenstadt und erkunden Sie die Stadt zu Fuß. Der Bahnhof macht Groningen zu einem naheliegenden Start- oder Endpunkt einer Bahnreise.
Tag 2 – Reitdiep: Fahren Sie die Runde ab Aduard oder wählen Sie einen kürzeren Abschnitt mit Stopps in Garnwerd und Zoutkamp. Die Warftendörfer und Kirchen geben Einblick in die Siedlungsgeschichte der Region.
Tag 3 – Lauwersmeer: Die 43-Kilometer-Runde verbindet Zoutkamp und das Nationalparkgebiet. Wer den Tag ruhiger gestalten möchte, kann kürzere Wege am Wasser und einen Besuch in Lauwersoog einplanen.
Tag 4 – Hogeland: Wählen Sie Dörfer wie Warffum, Pieterburen oder Noordpolderzijl als Ziele und verbinden Sie den Ausflug mit Deichwegen und Aussichtspunkten.
Tag 5 – Dollart: Erkunden Sie Appingedam, Delfzijl oder Termunterzijl und nutzen Sie die Kiekkaaste als Ziel am Dollart. Bei weniger Zeit können Hogeland und Dollart als alternative Tagesausflüge geplant werden.
Radreise, Wandern und Anreise ohne Auto
Das Fahrrad eignet sich für die längeren Verbindungen zwischen den Orten und Naturgebieten. Die ausgeschilderten regionalen Routen und das Knotenpunktnetz erlauben unterschiedliche Tageslängen. Groningen ist der wichtigste Bahnknoten der Reise; kleine Küstenorte liegen nicht alle an einer Bahnlinie. Busverbindungen und Übernachtungsorte können deshalb bei der Reihenfolge der Ziele eine Rolle spielen.
Zum Wandern bietet die Nordregion einzelne Naturtage statt einer einzigen durchgehenden Fernwanderung: Wege im Lauwersmeer, Deichabschnitte am Hogeland, Ortsrundgänge in Groningen und Appingedam sowie Spaziergänge an der Dollartküste. Für die größeren Entfernungen ist das Fahrrad praktischer.
Beste Reisezeit und Ausrüstung
Von Frühjahr bis Herbst lassen sich Radfahren und Wandern gut kombinieren. Im Frühjahr und Herbst ist die Vogelbeobachtung besonders interessant. Im Sommer sind die Tage lang; auf offenen Deichen wirken Sonne und Wind zugleich. Nach Regen können einzelne Feld- und Graswege weich sein.
Wind- und wasserdichte Kleidung, eine warme zusätzliche Schicht, Sonnenschutz, Trinkwasser und eine offline verfügbare Karte passen in das Gepäck. Radfahrer sollten Beleuchtung, Ersatzschlauch, Pumpe und ein kleines Reparaturset dabeihaben. Für Naturbeobachtungen lohnt sich ein Fernglas. Bei Watt- oder Schiffsaktivitäten bestimmen Tide und Wetter die Bedingungen.